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Eurobike 2023

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Eurobike 2023

Ein bunter Strauß neuer Produkte rund ums Rad

Die Eurobike ist die wichtigste Fahrradmesse der Welt. Ein Rundgang hier lässt erahnen, welche Ideen und Produkte in der nahen Zukunft den Ton auf zwei Rädern angeben werden. Wir haben zwei Tage lang jeweils 15.000 Schritte auf dem Frankfurter Messegelände zurückgelegt, um euch die wichtigsten Neuigkeiten gebündelt vorzustellen.

Die beiden großen Themen der Messe ließen sich schon bei einer kurzen Beobachtung des Testparcours erahnen. Geschätzt drehten dort zu 90 Prozent E-Bikes in wirklich jeder möglichen Ausprägung ihre Runden. Der Trend der letzten Jahre setzt sich also fort, allerdings mit einer deutlich breiteren Auswahl an verfügbaren Antriebssystemen und einer fortschreitenden Integration. E-Bikes sind nicht mehr länger Fahrräder mit einem angeschraubten Motor, sie werden immer mehr zu einer eigenständigen Kategorie.

Ebenfalls nicht zu übersehen war der Fokus auf praktische Fahrräder für den Stadtverkehr. Natürlich flitzten auch ein paar Rennräder und Mountainbikes über das Außengelände, aber die meisten Marken präsentierten schlauere Fahrradlösungen für den Alltag.

Wer tiefer in die größeren Trends der Messe eintauchen möchte, findet in den folgenden Abschnitten das, was uns am meisten ins Auge gefallen ist.

Bosch SX – leichtere E-Bike-Motoren auf dem Vormarsch

Mittelmotoren von Bosch, insbesondere die Flaggschiffe der „Performance CX“-Serie, findet man häufig an bulligen E-Mountainbikes. Die Zuverlässigkeit und brachiale Power dieser Antriebe ist an solchen Rädern besonders begehrt. An filigraneren Rädern für den Stadteinsatz oder gar Gravelbikes wirkten die knapp drei Kilo reine Power im Tretlagerbereich oft etwas überdimensioniert. Mit dem Bosch SX ändert sich das: das neueste Mitglied der schwäbischen Motorenfamilie verliert fast ein Kilo, speckt auf rund zwei Kilogramm ab (vier Kilo inklusive Akku) und schiebt trotzdem richtig nach vorne. Bis zu 600 Watt Spitzenleistung schafft der Motor – das ist deutlich mehr als vergleichbar leichte E-Antriebe. Ab Herbst dürften die ersten Räder mit dem leichten Antrieb erhältlich sein. Damit ist klar: Leichtere E-Antriebe, die auf Touren nur punktuell als Zusatz genutzt werden und nicht als andauernd arbeitender Hauptantrieb, werden immer populärer.

Pinion Motor- & Getriebeeinheit – die Zukunft des Mittelmotors?

Die Getriebeschaltungen, für die Pinion bisher bekannt war, sind eine robustere und praktisch wartungsfreie Alternative zur Kettenschaltung. Vor allem an Reiserädern für große Expeditionen und vollgefederten Mountainbikes können sie ihre Vorteile ausspielen. Im Pinion E-Drive System wird diese Schaltung mit einem E-Bike-Mittelmotor in einem Gehäuse kombiniert, das nicht erkennbar größer ist als schon existierende Motoren. Das hat zahlreiche Vorteile: Der hohe Verschleiß, den vor allem kräftigere E-Bike-Motoren an kettengeschalteten Antrieben verursachen können, ist Geschichte. Außerdem kann durch die Integration die Motorleistung auf Schaltvorgänge abgestimmt werden. Zwei weitere Faktoren sind besonders für E-MTBs interessant: Empfindliche Schaltwerke können nirgendwo mehr hängen bleiben – weil es sie nicht mehr gibt! Und schließlich ist das gesamte Gewicht von Antrieb und Schaltung niedrig und in der Mitte des Bikes positioniert, was riesige Vorteile für die Federung mit sich bringt. Laut David Meyer, der als Produktmanager viele der Eigenmarken von fahrrad.de wie Ortler und Serious betreut, ist diese Kombination aus E-Antrieb und Getriebeschaltung die Zukunft und wird sich in den nächsten Jahren bei vielen Radarten beträchtliche Marktanteile erobern.

(Kompakte) Cargobikes – bunte Mobilität für die Stadt

Cargobikes zählen inzwischen zum fest zum Straßenbild aller Großstädte. Auch auf der Eurobike waren unzählige neue Modelle in jeder Form zu sehen. Auffallend war, dass immer mehr Hersteller neben ihren großen Modellen auch kompakte Cargobikes mit kleineren Laufrädern in ihr Portfolio aufnehmen. Die Marke tern war in der Hinsicht schon vor Jahren der absolute Vorreiter, aber neben ihren noch immer wegweisenden Modellen tummeln sich auch andere Hersteller mit pfiffigen Features in diesem Segment. Das Kalkhoff Image C Advance+ trägt bis zu 170 Kilo auf seinen 20-Zoll-Laufrädern und kombiniert einen Bosch-Motor mit Riemenantrieb und Rücktrittbremse zusätzlich zu den hydraulischen Scheibenbremsen. Bei der neuen Marke Moca hingegen setzt man auf eine Kombi aus zwei unterschiedlich großen Laufrädern für eine perfekte Balance aus Laufruhe und kleinem Wendekreis. Damit sollte klar sein: Die Zukunft der Mobilität hat zwei Räder und wird immer vielfältiger und praktischer.

Shimano CUES mit Autoshift – Automatikschaltung am Fahrrad

Shimano hatte letztes Jahr mit der Vorstellung von CUES und der neuen elektronischen MTB-Schaltung Deore XT Di2 schon die Weichen für ein Produkt gestellt, das man getrost als Vision des Stadtrades der Zukunft sehen darf. Das elektronisch betriebene CUES-Schaltwerk braucht an diesem Prototyp keine Batterie mehr, sondern wird aus einem Nabendynamo im Hinterrad gespeist. Außerdem verzichtet das Rad komplett auf Schalthebel, geschaltet wird automatisch nach individuell einstellbaren Kriterien wie Leistung, Trittfrequenz, Geschwindigkeit etc. Das Resultat ist ein spektakulär minimalistisches Rad, das wenig Wartung benötigt und mit dem du ohne viel nachzudenken einfach fahren kannst. Einziger Wermutstropfen: Der Nabendynamo ist ausschließlich für das Schaltwerk da und kann die Beleuchtung nicht mitversorgen. So oder so ist es ein Quantensprung, nach den schon länger existierenden automatischen Nabenschaltungen auch vermehrt automatische Kettenschaltungen zu sehen. Zumindest für Stadtfahrräder sehen wir hier ein riesiges Potential.

Schwalbe Green Marathon – Bemühen um eine bessere Ökobilanz

Das Thema Nachhaltigkeit war an vielen Ständen ein Thema, bei Schwalbe stand es im Mittelpunkt. Der Messestand der Marke bestand aus einem handelsüblichen Baugerüst, das anders als viele andere Stände nicht weggeworfen oder den Rest des Jahres eingelagert wird, sondern eine Woche nach der Messe auf einer Baustelle stehen kann. Das Produkt im Mittelpunkt der Präsentation war der Green Marathon, eine Weiterentwicklung des bekanntesten Reifens der Marke. Der bräuchte an sich kein Update, denn er ist seit Jahrzehnten der Goldstandard für Trekkingräder. Aber die Ökobilanz war verbesserungswürdig und das ist dem Unternehmen zum 40. Geburtstag des Modells gelungen. 34 Prozent weniger CO2-Äquivalent werden bei der Herstellung des Green Marathons verbraucht als bei seinem Vorgänger und er besteht zu 70 Prozent aus recycelten oder nachwachsenden Rohstoffen. Diese Zahlen sind zwar nicht durch ein externes Unternehmen zertifiziert, aber im Einklang mit dem gängigen IPCC-Standard berechnet worden. Ist das perfekt? Sicher nicht, aber der transparente Umgang mit solchen Zahlen ist ein großer Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Fahrradbranche.

Gravelbikes & Bikepacking – immer noch der Innovationsmotor

Die großen Neuigkeiten im Rennradbereich sind in den letzten Jahren vor allem von den Rädern gekommen, die nicht nur auf Asphalt bewegt werden. Wir denken da an breitere Reifen, komfortablere Geometrien und Schaltungen mit größerer Bandbreite. Auch dieses Jahr kam wieder ein Schwung frischer Luft aus der Ecke mit den Gravelbikes. Vor allem SRAMs neue Apex-Schaltung sorgte für Aufsehen, und das nicht nur weil sie Funkschaltungen wieder ein Stück günstiger macht. Auch und gerade die mechanische Variante dürfte mit ihrem noch einmal günstigeren Preis, sowie ihrer riesigen Kompatibilität und Flexibilität ein gewaltiges Feld an Touren abdecken. Das ist eine echte 12-fach-Schaltung für die Massen! Nur eins hat sie nicht: einen Umwerfer.

Der Rennradrahmen gilt in seiner Grundform aus zwei Dreiecken eigentlich als gesetzt, aber trotzdem versuchen immer wieder clevere Marken, am Status Quo zu rütteln. Rondo hat schon in der Vergangenheit den Bruch mit Traditionen nie gescheut, das neue Ruut X geht allerdings noch mal einen Schritt weiter. Durch den Verzicht auf ein durchgehendes Sattelrohr soll sich ein deutlicher Komfortgewinn am Sattel ergeben, der vom unteren Teil des Fahrrades praktisch entkoppelt wird. Dadurch fehlt ein Flaschenhalter, aber auch andere Firmen haben bereits in eine ähnliche Richtung gedacht. Ist das vielleicht die Rahmenform der Zukunft?

Ein Rundgang über die Eurobike ist wie ein Blick in die Kristallkugel. Die Vorhersage lautet: Das Fahrrad hat eine Zukunft, die immer bunter und vielfältiger wird. Sie wird in weiten Teilen von einem elektrischen Motor getrieben, aber auch Fans von Fahrrädern, die sich nur mit Muskelkraft betreiben lassen, können sich immer noch über teilweise radikale Innovationen freuen. Wir freuen uns jedenfalls jetzt schon, 2024 über die Eurobike zu spazieren und die neuesten Trends erleben zu können.