Bike-Abenteuer Karibik

Bike-Abenteuer Karibik

Ferien für Kurzzeitaussteiger - Biken in der Karibik

Etwa 7500 Kilometer von der Schweiz entfernt liegt der karibische Inselstaat Trinidat und Tobago. Tobago ist keine Destination für Pauschalurlauber, für Abenteurer, Wassersportler, Schatzsucher und Mountainbiker ist die Insel aber ein exotischer Geheimtipp. 7 Jahre sind vergangen seit meinem letzten Besuch.

Viel Gepäck auf einer langen Reise

Schwer bepackt mit einem grossen Geschenkpaket von Bikester, meinem Bike und den wichtigsten Reiseutensilien mache ich mich auf die Reise. Mit dem Zug nach Frankfurt und von dort direkt nach Tobago. Um 17 Uhr Ortszeit landet mein Flieger am Flughafen in Crown Point. An der Sicherheitsschleuse komme ich mit so viel Gepäck nicht ganz problemlos vorbei, aber damit habe ich gerechnet. Auf die Frage für wen die vielen Bikeparts sind, antworte ich, dass es gut möglich ist, dass ich in den nächsten zwei Wochen ein paar Tretlager  und Schaltwerke verheize. Das reicht dem Sicherheitsbeamten als Erklärung.

Nach dem eher kühlen Empfang am Flughafen, werde ich am Ausgang dafür umso herzlicher begrüsst. Draussen warten Freunde und alte Bekannte, einige davon habe ich seit meinem letzten Besuch nicht mehr gesehen. Endlich angekommen. Nach einem Willkommensbier geht’s Richtung Guesthouse. Ich freue mich auf zwei Wochen mit Freunden, leeren Stränden und ganz viel Action. Apropos Action: Dieses Jahr findet das erste Enduro Rennen auf der Insel statt und ich bin mit dabei.

Übernachten bei Freunden

Meine Gastgeber sind alte Freunde. Manuela kenne ich seit der Schulzeit und seit sie Eamon kennengelernt hat, kenne ich auch ihn. Die beiden leben zusammen in Pleasant Prospect und betreiben dort das Guesthouse, in dem ich wohnen werde. Für Eamon ist auch das Paket von Bikester gedacht. Neben dem Tourenangebot für Gäste und Touristen, setzt er sich seit über 15 Jahren dafür ein, dass Jugendliche einen Zugang zum Bikesport erhalten. Viele können sich kein eigenes Bike leisten und kennen die gesunden und umweltschonenden Aspekte des Bikesports nicht. Es war auch seine Idee, einen zweitägigen Bike-Event zu veranstalten.

Mountainbike Feldspital

Mit geführten Biketouren und seinem Bikeverleih hat sich Eamon auf der Insel und darüber hinaus einen Namen gemacht. Bikes mit Felgenbremsen, Scheibenbremsen, Fullys, Hardtails, 26, 27.5 oder 29 Zoll, in seiner Flotte ist fast alles vorhanden. Das karibische Klima und das Salz in der Luft machen den Bikes zu schaffen. Dichtungen bröckeln, Tretlager knirschen und Gabeln rosten. Mal kurz ein Ersatzteil online bestellen, funktioniert hier nicht. Hier kann es Wochen und sogar Monate dauern, bis Teile geliefert werden. Eamon’s Werkstatt ist ein buntes Sammelsurium von gebrauchten Teilen, improvisierten Werkzeugen, ausgemusterten Gabeln und alten Rahmen. Die Freude über das Paket von Bikester ist daher auch gross. Die dringendsten Reparaturen machen wir schon am zweiten Tag. Wir tauschen wackelige Tretlager aus und wechseln ein paar Pedale und Lenkergriffe. Die alten Teile werden natürlich nicht einfach entsorgt, sondern zur Seite gelegt. Ein knirschendes Tretlager ist besser als kein Tretlager.

Eamon beim Schrauben

Eamon beim Schrauben

Eamon beim Schrauben

Mountaibike Touren bei 33° im Schatten

Die ersten Tage auf dem Bike sind richtig anstrengend. An die Hitze und Luftfeuchtigkeit muss ich mich zuerst gewöhnen, dazu kommt, dass die Touren einen sehr intensiven Charakter haben. Kurze und schweisstreibende Uphills werden mit abwechslungsreichen und kniffligen Trails belohnt. Intervalltraining unter tropischen Bedingungen. Steinzeitlich anmutende Mangroven-Wälder, schattenspendende Bambustunnel, versteckte Strände, verborgene Wasserfälle, rasante Trails durch Hinterhöfe und freilaufende Hunde die es auf meine Waden abgesehen haben, auf dem Bike erlebt man die Insel hautnah. Mein persönliches Highlight sind die staubigen Singletrails auf der “Top Of The World“-Tour. Immer dem Grat entlang und eine Dauer- Rundumsicht die seines Gleichen sucht. Gru Gru Bouef, Wet Wipes Gap, Richi’s Armpit und Cow Corner Seit Wochen arbeiten Eamon’s Freunde an der Enduro und XC Strecke. Kleine Hol brücken werden gebaut, stachelige Bäume rasiert (Gru Gru Bouef Trees) und A- und B-Lines festgelegt. Auf der Enduro A-Line sind 3 Sprünge verbaut, etwas Airtime muss sein. Der Wet Wipes Gap ist neben der schnellen Ridgeline von “Top Of The World“ das Highlight der Strecke. Den Landebereich sieht man erst nach dem Absprung. Wer das Tempo richtig einschätzt, spürt kaum etwas von der Landung und wer zu langsam ist oder im Flat landet, entgeht einem Sturz nur mit sehr viel Glück. Richi’s Armpit ist ein zirka 1m hoher Drop mit einer staubigen Kurve im Anschluss. Richi gehört zu Eamon’s Crew und hat wohl am meisten Arbeit und viel Schweiss in den Trailbau investiert. Cow Corner ist der letzte Sprung vor dem Zielsprint. Eine Woche vor dem Rennen war der Sprung noch schön sanft in den letzten Downhill der Strecke kurz nach Richi’s Armpit eingebettet, dann haben grasende Kühe die kleine Grube für sich entdeckt. In den ersten Tagen wurden die Schäden noch nachgebessert, schlussendlich aber die Arbeit den Kühen überlassen. Aus dem unscheinbaren Sprung ist nun ein schnelles und bockiges Feature geworden.

1. Renntag: Enduro.

Die Teilnehmer werden in zwei Gruppen geteilt und ich darf als Erster in der zweiten Gruppe starten. Auch bei Temperaturen um die 30° gehört etwas Aufwärmen dazu. Nach ein paar Kniebeugen und Dehnübungen ist es soweit. Der Countdown läuft. “…5 …4 …3 …2 …1 …go!“ und ich trete in die Pedale. Das Bike fühlt sich gut an, aber die Oberschenkel brennen von Anfang an. Vielleicht hätte ich mal einen Tag Pause machen sollen, vielleicht ist es die Aufregung vor dem Start. Egal, die Renndistanz ist absehbar.

Um zum erlösenden Downhill auf der Ridgeline zu gelangen, muss jeder Teilnehmer zuerst vier zum Teil unfahrbar steile Uphills bezwingen. Ich fluche bei jedem Uphill und pedaliere bis das Bike im steilen Gelände nach hinten kippt. Im letzten Moment lasse ich den Sattel runter. Im Laufschritt berghoch öffne ich die blockierte Gabel und aktiviere den Dämpfer in der Hoffnung, dass ich so bei den Abfahrten etwas Zeit gut machen kann. Die Schieberei ist vorbei und Top Of The World ist erreicht, ausser Atem und mit leicht metallischem Geschmack auf der Zunge schwinge ich mich nochmal auf’s Bike. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 56 km/h rase ich über die Hügelkante, hier sind keine Fehler erlaubt. Als nächstes eine letzte steile Passage auf den letzten Hügel, vorbei an ein paar Bambusstauden und mit dem richtigen Tempo über den “Wet Wipes Gap“, direkt nach der Landung fasse ich die kürzeste Linie zu “Richi’s Armpit“ ins Auge. Schnell über “Cow’s Corner“ und fast im Ziel. Auf der Zielgeraden gebe ich noch einmal alles.

(Fast) Geschafft!

Noch bevor ich zu Atem komme und meine Zeit erfahre, höre ich von einem Unfall. Mein Nachfolger ist auf einem der ersten Hügel gestürzt und die Stelle ist mit dem Krankenwagen nicht erreichbar. Ein Rettungsteam wird hastig zusammen gestellt und ich melde mich freiwillig. Zusammen mit einem Fahrer, der in der Gegend aufgewachsen ist, setze ich mich auf die Ladefläche eines Pickups. Ein Sanitäter gibt mir Verbandszeug, eine Flasche Wasser, aber keine Instruktionen mit.

Die Offroad-Session durch den Dschungel lässt das Adrenalin nochmal in die Höhe schiessen. Nach einer kurzen Dschungelwanderung finden wir unseren Patienten, er ist einigermassen gut gelaunt, klagt aber über starke Schulterschmerzen. Ein gebrochenes Schlüsselbein wie sich später herausstellt. Ich fixiere seinen Arm mit einem Dreieckstuch und stütze ihn auf dem Weg zurück zum Pickup. Das Rennen ist inzwischen vorbei und erst als wir den Patienten der Ambulanz übergeben erfahre ich vom Sanitäter, dass ich gewonnen habe. 11 Minuten und 15 Sekunden mit etwa 10 Sekunden Vorsprung!

2. Renntag: XC

Gleich vorweg: Ich sehe mich nicht als Cross Country Fahrer. Natürlich habe ich mich trotzdem dazu überreden lassen, in der Kategorie Elite zu fahren. 5 Runden statt 3. Schon auf der ersten Runde machen mir die Mittagshitze und die erbarmungslose Sonne zu schaffen. In der zweiten Runde verglühe ich fast und bei der dritten Runde denke ich ernsthaft ans Aufgeben. In der vierten Runde mache ich so viele Fehler wie sonst in einer ganzen Saison nicht und in der fünften Runde bringt mich nur der Gedanke ans Ziel durch. Platz 4, nicht Letzter und vor mir nur hitzebeständige Locals. Egal, ich bin kein Cross Country Fahrer.

Das Rennen:

Abreisetag

Das waren Ferien nach meinem Geschmack. Mehr Abenteuer als Urlaub, neue Bekanntschaften und viele spannende Geschichten. Mit deutlicher weniger Gepäck checke ich am Flughafen ein und am Eingang zum Gate warten Freunde mit einem Abschiedsbier. Nächstes Jahr müsste ich eigentlich meinen Titel verteidigen, oder?

Weitere Infos zu Eamon und seinem Guesthouse findet ihr unter: Tobago Mountainbike


Über Bikester.ch

Einfach und schnell Veloteile und Radbekleidung nach Hause bestellen, das ist die Idee von BIKESTER. Das umfangreiche Sortiment an TOP Markenprodukten und Geheimtipps für Velokenner bietet für jeden begeisterten Velofahrer die ideale Ausrüstung. Egal ob Rennvelo, Mountainbike oder Crossvelo, unser Sortiment bietet alles, was das Bikerherz begehrt. Im Radbekleidungssortiment von BIKESTER gibt es die angesagten Trends der aktuellen Saison. Sollte es mal Fragen zu einem Produkt oder einem Thema rund um das Velo geben, steht unser Service-Team natürlich gerne beratend zur Seite. Auch unsere virtuellen Produktberater, wie der Rahmenrechner, können kleine Hilfen sein.

Autor: Daniel Knecht

Daniel ist 1985 in der Schweiz geboren und ist in der Alpenstadt Chur zu Hause. Seit mehr als 10 Jahren verbringt er seine Freizeit Sommer wie Winter auf dem Mountainbike. Immer auf der Suche nach neuen Enduro-Abenteuern durchstreift er die Schweizer Alpen...und das bei jedem Wetter. Flowig oder technisch, alleine oder mit Freunden, Hauptsache auf 2 Rädern.